Schulhundekonzept an der Schule Waldaschaff - Warum ein Hund?


Die Anzahl der Schulhunde in Deutschland nimmt stetig zu, wobei der Begriff "Schulhund" leider noch immer nicht konkret vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus definiert wurde - vor allem was die Ausbilung dieser Hunde betrifft. Aktuell gilt somit allein der Maßstab der Richtlinien zur Sicherheit im Unterricht - hier wurden 2019 Regeln zum Einsatz von Hunden in der Schule veröffentlicht. 

Zu Goofy

Goofy wurde am 30.04.2014 in Tann/Rhön geboren. Bereits von Beginn an genoss er eine durchdachte, kontinuierliche Erziehung und Sozialisation, unter anderem eben nicht in "Welpen" oder "Spielstunden" sondern direkt mit gesetzten und lernwilligen Artgenossen. Hundekontakte waren und sind immer ausgewählt, Goofy ist vor allem deshalb heute mit allen Artgenossen verträglich und stets abrufbar. 

Ab Welpenalter wurde in der Hundeschule RIchter (Lindelbach) daher an verschiedenen Teilen des Wesenstestes, der Begleithundeprüfung und dem Einsatz als späteren Schulhund spielerisch gearbeitet. 

Zeitgleich begannen wir die Ausbildung zum Diensthund der Feuerwehr. Auch hier wurde eine gezielte Ausbildungslinie verfolgt und die Übungen für den Umgang in schwierigen Situationen mit der Arbeit als Schulhund verknüpft. 

Dementsprechend ist Goofy ein im Wesen ruhiger und abwartender Hund, der gut für den Einsatz an der Schule geeignet ist. Dennoch ist und bleibt es ein Tier mit 40 Kilogramm, weshalb ein Einsatz nicht ohne den Hundeführer erfolgt. 

Goofy ist bei der Stadt Würzburg angemeldet und besitzt dementsprechend eine Hundesteuermarke. Ebenso ist er gechipt und beim Haustierregister "Tasso“ registriert. Für Goofy besteht seit Beginn eine Haftpflichtversicherung bei der Agila Versicherung, mit ausdrücklicher Erwähnung der Mitnahme als Schulhund und der Tätigkeit als Diensthund der Feuerwehr. 

Zur Hundeführerin

Mein Name ist Jennifer Geis und ich unterrichte seit 2015 an der Mittelschule in Waldaschaff in den Jahrgangsstufen 7-9. Ich bin seit zig Jahren ehrenamtlich im Rettungsdienst und der Feuerwehr tätig, bin unter anderem Ausbilderin für Erste-Hilfe und leite auch den Schulsanitätsdienst an unserer Schule. 

Goofy kam nicht ungeplant zu mir und meinem Mann, dennoch war die Rasse und der Wurf "so eigentlich nicht gewollt". Bewusst haben wir uns jedoch für einen - diesen - Rüden entschieden. 

Mit dieser Entscheidung war uns direkt auch klar, dass ein Ridgeback "kein normaler Hund" ist, sondern eine besondere Rasse, mit besonderen Eigenheiten. Dementsprechend wäre es für mich damals wie heute nicht in Frage gekommen, mit der Ausbildung zu warten. Bindung und erwünschtes Verhalten kann meiner Meinung nach am Besten in der Prägephase erlernt werden, dementsprechen begann ich mit der Ausbildung in meiner gewählten Partnerhundeschule früh. 

Goofy durfte mich erstmals mit 2 Jahren in den Unterricht begleiten, kurzzeitig und gezielt eingesetzt. Noch heute achte ich darauf, dass nur gezielte Einsätze sinnvoll sind - auch wenn diese nun deutlich flexibler funktionieren wie noch mit einem Junghund. 

Vom "Arbeitskreis der Schulhunde Bayern" habe ich mich zwischenzeitlich etwas "distanziert", da Ausbildungskonzept und Inhalte nicht mehr zu 100% meinen Vorstellungen entsprechen. Dennoch setze ich mich dafür ein, dass ein "Schulhund" nicht aus Betreuungszwecken oder "weil er eben so lieb ist" zum Schulhund wird - sondern sinnvoll und durchdacht pädagogisch eingesetzt werden soll.

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Unterricht:

Goofy kommt an ein bis zwei Wochentagen mit mir in die Schule und ist im Unterricht dabei. Während der Pausen begleitet mich Goofy ins Lehrerzimmer oder wird von gezielt ausgewählten Schülern auf einem ausgewählten Gelände "Gassi" geführt. Es handelt sich hier stets um eingewiesene Kleingruppen.

Im Klassenzimmer besitzt Goofy seinen Rückzugsplatz am Pult und ein Infoschild an der Klassenzimmertüre erinnert kommende Besucher an den Schulhund. Aufgestellte Regeln sind ersichtlich im Klassenzimmer aufgehängt, Goofy bekommt nur ausgewählte "Leckerchen" als Belohnung. 

Der Hund ist klar seiner jeweiligen Klasse zugeordnet und wird auch nur von diesem "Rudel" gestreichelt. Sonstige Klassen haben die Möglichkeit über Projekttage mit Goofy in Kontakt zu kommen, im Rahmen der Jugendsozialarbeit an Schulen kann Goofy zudem gezielt sozialpädagogisch eingesetzt werden. Die jeweilig ersten Klassen lernen Goofy immer zu Beginn jedes Schuljahres mit dem Konzept "Wer hat Angst vorm großen Hund?" kennen. 

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Hygiene:

- Hygieneregeln innerhalb der Klasse
- Waschbecken
- Desinfektionsmittel
- Abklärung Allergien
- regelmäßiges Lüften
- gesundheitliche Eignung Hund (siehe Übersicht Gesundheit)

Der Zugang zur Küche und Speiseräumen der Mittagsbetreuung ist ihm untersagt.


Schulfamilie

Goofy wird von der gesamten Schulfamilie als Mehrwert und wichtiger Teil unseres Schulkonzeptes angesehen. Alle Eltern wurden informiert, die Zustimmung der jeweiligen Klasseneltern eingeholt. Das Projekt Schulhund wird regelmäßig evaluiert. Ebenso wurden der Elternbeirat, Sachaufwandsträger (Gemeinde Waldaschaff) und das Schulamt über das Projekt „Schulhund“ in Kenntnis gesetzt. Alle zuständigen Behörden unterstützen dieses Projekt!


Ziele:

Für uns als Schule stehen folgende Ziele mit Goofy im Vordergrund:

  • positive und motivierende Lernatmosphäre in der Schule - einhergehend mit Rücksichtnahme und Rückgang von Agressionspotential sowie Schulangst
  • Förderung der Inklusion - für Goofy sind alle Schüler gleich!
  • Übernahme von Verantwortung 
  • Sozialkompetenz
  • Selbstkompetenz 
  • Klassengemeinschaft wird gestärkt

Fazit?
Für Goofy sind alle unsere Schüler gleich - genau das ist auch der Ansatz einer tiergestützten Pädagogik. Gezielt haben wir mit unserem vierpfotrigen Kollegen die Möglichkeit, unser Schulkonzept zu unterstützen. 
Dementsprechend ist Goofy ein Teil unserer Schulfamilie geworden - unabhängig ob als Motivator beim Citylauf, als Taschentuch bei einem Todesfall, als Vorlesehund oder als Rechengröße bei Fermiaufgaben. 

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(c) J.Geis