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Im Rahmen des Heimat- und Sachunterrichts beschäftigten sich die Viertklässler im Februar mit der Frage, was für und was gegen die Ausweisung eines Nationalparks im Spessart spricht. Kaum ein regionales Thema beschäftigt derzeit unsere Bevölkerung mehr, dabei ist es gar nicht so leicht, sich bei dieser Frage eine eindeutige Meinung zu bilden.
Wir versuchten dies, indem wir zunächst möglichst viele Informationen sammelten, Zeitungsartikel lasen, Interviews durchführten und im Internet recherchierten. So erfuhren wir, dass es in Bayern bislang lediglich zwei Nationalparks (im Bayerischen Wald und in Berchtesgaden) gibt und die bayerisches Staatsregierung im Moment plant, einen dritten Nationalpark in Bayern auszuweisen. Dafür wäre unter anderem auch unser Spessart vorgesehen.
Hinter einem Nationalpark steckt die Idee, einen in besonderer Weise schützenswerten Naturraum so unter Schutz zu stellen, um Abläufe der Naturvorgänge möglichst ungestört zu ermöglichen. Hierfür müsste natürlich der Einfluss des Menschen auf die Natur begrenzt werden. Der geplante Nationalpark im Spessart würde etwa 10 % der gesamten Spessartwaldfläche umfassen und wäre in einen Kernbereich (hier findet so gut wie kein Eingreifen des Menschen statt) und eine Pflegezone (etwa 1/4 des Nationalparks, das von Förstern mit ihren Waldarbeitern gepflegt werden kann) unterteilt. 
Nach und nach erstellten wir schließlich eine Pro-contra-Liste, luden Herrn Kunkel vom Bund Naturschutz ein und sahen uns einen Main-TV-Bericht mit unserem Waldaschaffer Landtagsabgeordneten Herrn Winter an. Beide vertraten jeweils unterschiedliche Ansichten, der eine ist für den Nationalpark, der andere dagegen. 

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Michael Kunkel zeigte den Dritt- und Viertklässler den Spessart in seiner faszinierenden Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt. Im Anschluss hatten die Kinder der beiden vierten Klassen noch die Gelegenheit Fragen zum geplanten Nationalpark Spessart zu stellen.


Hier listen wir noch abschließend auf, welche Argumente wir für und gegen einen Nationalpark Spessart gefunden haben. 

PRO Nationalpark:

- es wird wohl mehr unterschiedliche Pflanzen- und Tierarten geben (Zunahme der Artenvielfalt), auch bedrohte
  Tier- und Pflanzenarten können sich ansiedeln
- der Wald und der Waldboden wird nicht mehr von großen Holzerntemaschinen zerstört
- für die Bevölkerung und die Gäste wird es viele Angebote zur naturkundlichen Bildung und dem Naturerleben
  geben (Nationalparkzentrum, Führungen, Informationstafeln...)
- die Bedeutung des Spessarts für den Tourismus wächst (mehr Geld durch Urlauber / Tagesgäste / Zuschüsse
  vom Staat kommt in die Region)


CONTRA Nationalpark:

- betroffene Gemeinden, die rund um den geplanten Naturpark liegen, können nur mehr eingeschränkt ihre
  Holzrechte nutzen
- die Eichevorkommen, die für den Spessart eine wichtige Bedeutung haben, könnten in der Kernzone weniger
  werden, da sie wohl von den schneller wachsenden Buchen überwachsen werden
- in der Kernzone des Nationalparks wäre das Wandern und Radfahren nur mehr auf ausgewiesenen Wegen
  möglich
- mehr Tourismus bedeutet vielleicht auch mehr Umweltverschmutzung


Die Diskussionen werden uns in der Region sicher noch eine Zeitlang begleiten, da eine Entscheidung wohl erst im Jahr 2018 fallen wird. Es lohnt aber in jedem Fall, sich über das Thema zu informieren, um sich eine eigene Meinung bilden zu können. Dass dies jedoch nicht so einfach ist, haben die Viertklässer anhand dieses aktuellen politischen Themas ganz konkret erfahren. Bleiben wir gespannt!